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I AM A FOREST - Wir sind keine Musiker mehr

Kopfhörer aufsetzen, Play drücken und abtauchen. Die Anziehungskraft von Musik wird sich nie verändern, alles andere rundherum schon. Die Bedingungen der Produktion und Distribution von Musik haben sich in den vergangenen 20 Jahren sogar ganz grundlegend verändert. Die größte Herausforderung dabei steckt nicht in der Technik, in MP3s oder Filesharing, sondern in unseren Köpfen. Wir, als Künstler, Produzenten und Vermarkter, müssen neue, passendere Wege finden, Musik unter digitalen Bedingungen zu veröffentlichen. I AM A FOREST ist ein Beitrag zu dieser neuen Kultur. Wir folgen sich neue Wege bahnenden Flüssen, lassen uns mitnehmen, lassen teilhaben.

Musik ist dazu da, geteilt zu werden

Das erfordert auch, sich von liebgewonnenen Ideen zu verabschieden. Zum Beispiel davon, ein fertiges Album, ein abgeschlossenes Kulturgut vorzulegen. Natürlich werden wir eine CD, und wenn es finanziell klappt auch eine Vinyl, produzieren, aber das ist ein Etappenziel, weder das Ende, noch der Beginn dieses Weges. Ein Album entwickelt sich, genauso wie ein Buch ab der ursprünglichen Idee durch verschiedene Phasen des Schreibens, Verwerfens und Lektorierens geht. Hier machen wir diese Phasen sichtbar und stellen unterschiedliche Versionen von Songs vor. Ob rohe Skizzen, ein Mix für eine Online-Veröffentlichung, Songtexte oder das Freigeben einzelner Spuren zum Bearbeiten, Samplen und Remixen - Es geht darum, am Strom teilzuhaben, zu kommentieren, zu bearbeiten. Wir denken damit die Idee des unabhängigen, selbstständigen Musikers neu.

Sät Samen, erntet einen Wald

Ab wann kann man es sich leisten, seine eigene Musik als Beruf zu verfolgen? Zählt man Verkäufe, Youtube-Klicks oder Facebook-Fans? Kann man die laufende Arbeit am neuen Material finanzieren? Mieten für Bus und Proberäume, Equipment, für Studios, Vinylpressung und Krankenversicherung? Hängt unser Poster in WG-Küchen? Bekommt man gute Rezensionen und Fanpost? Oder kann man sich auch mal eine Auszeit gönnen, für den Fortbestand der Idee?

Wir bündeln Absatz, Fans und Sinn nun in unserer eigenen Währung. Weil es um mehr geht, als um Geld.
Werde Teil des Waldes, sag I AM A FOREST. BECOME A LEAF!

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Das komplette Manifest samt Links zum weiterdenken findest Du weiter unten oder HIER als PDF.



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We aren’t musicians any more

Putting on headphones, pressing play, and diving in. The attraction of music will never change while everything else around will. Especially the production- and distribution conditions of music significantly altered during the past 20 years. The biggest challenge thereby is not of a technical nature, as presumably represented by MP3s or file-sharing, but remains in our thinking. We as artists, producers and marketers have to discover new and more suitable ways of publishing under digital conditions. I AM A FOREST seeks to contribute to this novel culture. We follow streams that blaze new trails and let ourselves be taken away. We share.

Music exists to be shared

Which necessitates to dissociate oneself from formerly appreciated ideas such as the idea of submitting a finalized album as a completed cultural good. Of course, we will produce a CD or even a vinyl if possible. Nevertheless, this has to be regarded as a subsidiary goal since it is neither the end nor the beginning of our trail. An album devel-ops just as a book being based on an initial idea and passing several stages of writing, revising and proofreading. Here, we aim to uncover these stages and present different versions of songs. Whether these versions are rough-mixes, mixes for online releases, song texts or the release of single audio tracks to allow for editing, sampling and remix-ing, it is about participating in the stream, about commenting and altering. We rethink the idea of the independent and autonomous musician.

Plant seeds, harvest a forest

At which point can someone afford to pursue his/her music professionally? Do we count sales, YouTube-hits or Facebook fans? Can we afford the ongoing work on new materi-al, bus rents and rehearsal room, equipment, studio sessions, vinyl pressing and health insurance? Does our poster decorate the walls of kitchens in shared accommodations? Do we get positive critiques and fan mail or is someone also allowed to take a downtime for the continuance of the idea?

From now on, we concentrate selling, fans and meaning in our own currency. Cause it is about more than monetary means.
Join the wood, say I AM A FOREST.

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You find the entire manifesto with links to additional reads below or HERE as PDF.

I AM A FOREST - Wir sind keine Musiker mehr

Kopfhörer aufsetzen, Play drücken und abtauchen. Die Anziehungskraft von Musik wird sich nie verändern, alles andere rundherum schon. Die Bedingungen der Produktion und Distribution von Musik haben sich in den vergangenen 20 Jahren sogar ganz grundlegend verändert. Die größte Herausforderung dabei steckt nicht in der Technik, in MP3s oder Filesharing, sondern in unseren Köpfen. Wir, als Künstler, Produzenten und Vermarkter, müssen neue, passendere Wege finden, Musik unter digitalen Bedingun-gen zu veröffentlichen. I AM A FOREST ist ein Beitrag zu dieser neuen Kultur. Wir folgen sich neue Wege bahnenden Flüssen, lassen uns mitnehmen, lassen teilhaben.

Festes verflüssigt sich

Seitdem jeder in Sekundenschnelle digitale Kopien von Songs anfertigen kann, ist die Verfügbarkeit von Musik wichtiger, als der Besitz von Tonträgern [1]. Vor 110 Jahren brauchte man ein automatisches Klavier um Musik im eigenen Haus zu haben, dann kam das Grammophon und danach das Radio. [2] Der physische Transport der Musik entwickelte sich dabei von meterlangen Notenrollen über Schellack-Platten bis hin zu Funkwellen. Heute ist jedes Smartphone in der Lage, mehr Musik zu speichern als ein Plattenschrank fassen kann, durch Streams hat jeder Zugriff auf einen unüberblickbaren Ozean von Tracks.

Obwohl die Musikbranche als erste von diesem Digitalisierungsschock getroffen wurde, hat sich der Aggregatszustand unseres Erwerbsmodells nicht verändert. Als Musiker erleben wir den Rhythmus der Branche als “stahlhartes Gehäuse” [3]: Alle zwei Jahre ein Album schreiben; Geld in Studio, Pressung und Werbung stecken; Promo machen; Konzerte mit dem Material spielen; alle CDs verkaufen; kleines Plus haben und dann wieder von Vorn beginnen. Ohne große finanzielle Ressourcen frisst einen das nicht nur auf, diese Art zu Arbeiten vergibt Chancen.

Wir haben es bereits geschafft, Hörer als Supporter ins Boot zu holen, um bessere Vergütungsmodelle als die 16,99 € CD bei Amazon (von der 1,50 € beim Künstler landen) zu ermöglichen. Nach dem Crowdfunding der Produktionskosten ist der nächste Schritt, den Produktionsprozess selbst transparent zu machen. Anstatt über die Rahmenbedingungen von Musik nur zu sprechen, wir wollen den Weg mit euch gehen.

Musik ist dazu da, geteilt zu werden

Das erfordert auch, sich von liebgewonnenen Ideen zu verabschieden. Zum Beispiel davon, ein fertiges Album, ein abgeschlossenes Kulturgut vorzulegen [4]. Natürlich werden wir eine CD, und wenn es finanziell klappt auch eine Vinyl, produzieren, aber das ist ein Etappenziel, weder das Ende, noch der Beginn dieses Weges. Ein Album entwickelt sich, genauso wie ein Buch ab der ursprünglichen Idee durch verschiedene Phasen des Schreibens, Verwerfens und Lektorierens geht. Hier machen wir diese Phasen sichtbar und stellen unterschiedliche Versionen von Songs vor. Ob rohe Skizzen, ein Mix für eine Online-Veröffentlichung, Songtexte oder das Freigeben einzelner Spuren zum Bearbeiten, Samplen und Remixen  - Es geht darum, am Strom teilzuhaben, zu kommentieren, zu bearbeiten. Wir denken damit die Idee des unabhängigen, selbstständigen Musikers neu.

Das Hören von Musik ist auch in digitalen Zeiten ein intimes Erlebnis, das eigene Wirklichkeiten erschafft [5], egal ob Live, vor dem Rechner oder auf dem Rad. Ihr habt uns auf Youtube oder Facebook gefunden, seid auf einem Blog über einen Stream gestolpert, oder bei einem unserer Auftritte gewesen - und es hat irgendetwas in euch bewegt. Ihr seid als Hörer der wichtigste Teil dieses Erlebens, und deswegen wollen wir euch von Anfang an zu einem Teil des neuen Albums machen. I AM A FOREST bietet, deshalb Wege, das Projekt zu unterstützen, die über das Kaufen einer fertigen CD hinausgehen. Neben der Beteiligung durch Kommentare, Mails und Bearbeitungen ist das vor allem eine Repräsentation eurer Unterstützung.

Sät Samen, erntet einen Wald

Ab wann kann man es sich leisten, seine eigene Musik als Beruf zu verfolgen? Zählt man Verkäufe, Youtube-Klicks oder Facebook-Fans? Kann man die laufende Arbeit am neuen Material finanzieren? Mieten für Bus und Proberäume, Equipment, für Studios, Vinylpressung und Krankenversicherung? Hängt unser Poster in WG-Küchen? Be-kommt man gute Rezensionen und Fanpost? Oder kann man sich auch mal eine Aus-zeit gönnen, für den Fortbestand der Idee?

Wir bündeln Absatz, Fans und Sinn nun in unserer eigenen Währung. Weil es um mehr geht, als um Geld.
Werde Teil des Waldes, sag I AM A FOREST. BECOME A LEAF!


[1] Dave Kusek & Gerd Leonhard: The Future of Music. A Manifesto for the Digital Music Revolution. 2005.
[2] Unser Musikverlag sitzt im ehemaligen Fabrikgebäude eines der weltweit größten Herstellers automatischer Klaviere zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der Ludwig Hupfeld AG am Leipziger Stadtrand.
[3] Mit diesem durchaus drastischen Bild beschrieb Max Weber die eigentümliche Herausbildung des Kapitalismus: Waren Geldwirtschaft und Erwerbsarbeit zu Beginn ein Phänomen einzelner Gruppen, werden sie einmal zum System durchgesetzt, unweigerlicher Zwang für den Einzelnen. Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. 2010 [1920].
[4] Die so genannte “Versionierung” ist eines der zentralen Konzepte des nach diesem Prinzip entstandenen Buchs “Eine neue Version ist verfügbar”. Dirk von Gehlen: Eine neue Version ist verfügbar. 2013
[5] Malte Friedrich: Niemand kauft das Recht Musik zu hören. Performative Wertschöpfung in digitalen Zeiten. in: Lange/Bürkner/Schüßler (Hg.): Akkustisches Kapital. Wertschöpfung in der Musikwirtschaft. S. 217-240.

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I AM A FOREST - We aren’t musicians any more

Putting on headphones, pressing play, and diving in. The attraction of music will never change while everything else around will. Especially the production- and distribution conditions of music significantly altered during the past 20 years. The biggest challenge thereby is not of a technical nature, as presumably represented by MP3s or file-sharing, but remains in our thinking. We as artists, producers and marketers have to discover new and more suitable ways of publishing under digital conditions. I AM A FOREST seeks to contribute to this novel culture. We follow streams that blaze new trails and let ourselves be taken away. We share.

Solids become fluids

Since everybody is able to produce digital copies of songs in a matter of seconds, the availability of music is more important than the actual possession of physical phono-grams [1]. A 110 years ago, people needed an automatic piano to have music in their homes which was then subsequently followed by the gramophone and the radio [2]. The physical transport of music evolved from metre-long piano rolls to gramophone records and radio waves. Today, every smartphone can store more music than a disk rack and streams allow everybody to access an almost endless ocean of tracks.

Although the music business was hit first by the shockwave of digitalization, the physical state of our monetary acquisition model has not changed. As musicians, we perceive the rhythm of the music business as a “shell as hard as steel” [3]. Writing an album eve-ry two years, financing a studio, pressing and promotion, just as playing concerts and ideally selling all CDs in order to avoid bankruptcy and being able to start the whole cy-cle all over again. Without significant reserve funds, this operation method does not only lead to personal mortification but also to disregarding opportunities.

We already achieved to bring listeners in as supporters in order to render better com-pensation models than the 16,99 Euro CD on Amazon (which leaves the artist with 1,50) possible. After the crowd-funding of the production costs, the next step is to make the production process itself transparent. Instead of solely talking about the general frame-work and conditions of music, we want to tread the path together with you.

Music exists to be shared

Which necessitates to dissociate oneself from formerly appreciated ideas such as the idea of submitting a finalized album as a completed cultural good [4]. Of course, we will produce a CD or even a vinyl if possible. Nevertheless, this has to be regarded as a subsidiary goal since it is neither the end nor the beginning of our trail. An album devel-ops just as a book being based on an initial idea and passing several stages of writing, revising and proofreading. Here, we aim to uncover these stages and present different versions of songs. Whether these versions are rough-mixes, mixes for online releases, song texts or the release of single audio tracks to allow for editing, sampling and remix-ing, it is about participating in the stream, about commenting and altering. We rethink the idea of the independent and autonomous musician.

Even in digital times, listening to music remains an intimate experience which creates subjective realities irrespective of the medium or the place where we listen. You found us on YouTube or Facebook, came across a stream on some blog or witnessed one of our performances which somehow moved you. As listeners, you are the most important element of this experience which is the reason for our longing to make you part of the album from the beginning. I AM A FOREST therefore provides methods to support the project which transcend the purchase of the finished album. Apart from contributions in form of comments, mails and edits, the representation of your support is especially ap-preciated.

Plant seeds, harvest a forest

At which point can someone afford to pursue his/her music professionally? Do we count sales, YouTube-hits or Facebook fans? Can we afford the ongoing work on new materi-al, bus rents and rehearsal room, equipment, studio sessions, vinyl pressing and health insurance? Does our poster decorate the walls of kitchens in shared accommodations? Do we get positive critiques and fan mail or is someone also allowed to take a downtime for the continuance of the idea?

From now on, we concentrate selling, fans and meaning in our own currency. Cause it is about more than monetary means.
Join the wood, say I AM A FOREST.


[1] Dave Kusek & Gerd Leonhard: The Future of Music. A Manifesto for the Digital Music Revolution. 2005.
[2] Our publisher’s office is located in one oft he world’s biggest producer of automatic pianos at the beginning of the 20th century, the Ludwig Hupfeld AG at the edge of Leipzig.
[3] This quite drastic figure stems from Max Weber’s analysis of gainful employment [Often misleading translated as „iron cage“.] He described how systematic capitalist work once starte das a phenomen of few and became as sys-tem an unavoidable force for everyone. Max Weber. The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism, 1905
[4] So called “versioning” is one oft he central concepts of Dirk von Gehlens fundamental book “Eine neue Version ist verfügbar” (“A new version is available”). Dirk von Gehlen: Eine neue Version ist verfügbar. 2013
[5] Malte Friedrich: Niemand kauft das Recht Musik zu hören. Performative Wertschöpfung in digitalen Zeiten. in: Lange/Bürkner/Schüßler (Hg.): Akkustisches Kapital. Wertschöpfung in der Musikwirtschaft. S. 217-240.

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